Der Vulkanausbruch des Nyiragongo und die Konsequenzen für die Bevölkerung Gomas (Demokratische Republik Kongo) – Ein Beitrag von Pfarrer Robert Byamungu

„Der Vulkanausbruch vom 22. Mai 2021, den niemand hätte voraussehen können, zog eine brutale und unkontrollierte Evakuierung von ca. 400.000 Menschen nach sich und verursachte den Verlust von Kindern, den Verlust von Eigentum, mehr als 3.000 verbrannte Häuser, 31 Todesfälle und andere Schäden, deren Aufzählung nicht vollständig ist. Ich erinnere mich, dass ich in meinem kleinen Büro zu Hause war und es war mein Sohn, der kam, um mich zu alarmieren, dass es ein außergewöhnliches Feuer auf der Höhe des Vulkans gab und dass die Menschen, die in den Dörfern in der Nähe des Vulkans lebten, bereits auf der Flucht waren. Meine Kinder hatten eine panische Angst und ich musste sie erst einmal beruhigen. Ich realisierte erst das Ausmaß dieses Ausbruchs, als ich die Nachrichten im Radio hörte, in denen die Menschen, die sich im Wirkungsbereich des Ausbruchs von 2002 befanden, aufgefordert wurden, zu evakuieren, und dass die Ölfirmen den Treibstoff in all ihren Tankstellen leeren sollten, um Explosionen zu vermeiden. Die Situation wurde noch komplizierter, als zwei befreundete Familien um 23:30 Uhr bei uns Zuflucht suchten.
Am Tag nach dem Ausbruch ordneten die politisch-administrativen Behörden der Provinz Nord-Kivu die Evakuierung an, um einen zweiten drohenden Ausbruch zu verhindern und um die Auswirkungen des durch den Ausbruch erzeugten Gases zu vermeiden. Dies betraf 13 von 18 Stadtteilen in der Stadt Goma.
Im Zuge der Evakuierung brachten die Familien nichts mit, als sie die Stadt verließen, einige nach Sake, Bukavu, Kigali, andere nach Rutshuru, Butembo, Beni, Minova, Kalehe, Masisi, Kitshanga, Mweso, etc. Die nicht evakuierten Gebiete wie unseres wurden als Gastfamilien genutzt. Wir haben unser Haus für 32 Personen geöffnet. Zusammen waren wir 42 und jeder fand einen Platz zum Schlafen. Damals ging es nicht um die Frage, wo eine Matratze ist, die Priorität war, wie man einen Platz zum Schlafen in jeglichem Zustand findet. Gott sei Dank geschah das Ereignis, als wir uns gerade mit Lebensmitteln eingedeckt hatten. Die Dinge wurden zu Hause sehr kompliziert, als eines meiner Kinder durch die Belastungen des Ausbruchs krank wurde. Im Krankenhaus wurde bei ihm nichts diagnostiziert. Er wurde gesund, nachdem ich beschlossen hatte, sie mit ihrer Mutter 340 km entfernt zu evakuieren.

Die Folgen des Vulkanausbruchs sind zahlreich und auf vielen Ebenen: sowohl Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft als auch Soziales.
Auf der psychologischen Ebene gibt es traumatische und posttraumatische Belastungen, Schocks, Enttäuschungen, von deren Familien getrennte Kinder, Familientrennungen, umherirrende Kinder, verzweifelte Menschen, Angststörungen usw.“


(übersetzt aus dem Französischen)

Podcast-Empfehlung: „Corona Global Podcast“ von Nord-Süd Brücken

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„Was das Virus für die Menschen in den Ländern des Globalen Südens bedeutet?“

Die Stiftung Nord-Süd-Brücken hat in Kooperation mit dem Radio F.R.E.I. aus Erfurt und der von Engagement Global/BMZ geförderten WSD-Fachkraft Uwe Flurschütz vom Verein Arbeit und Leben Thüringen e.V. die Sendereihe „Corona Global“ entwickelt.

Im Podcast werden Experten von weltweiten Initiativen über Nachhaltigkeit und globale Perspektiven interviewt.

In Zusammenarbeit mit ostdeutschen Vereinen, die sich in den Ländern des Globalen Südens engagieren, werden Menschen vor Ort befragt und Radiobeiträge erstellt.

Ziel ist es die Auswirkungen, die das Virus auch in anderen Teilen der Welt hat oder haben kann, in den Fokus zu nehmen. Über das Thema „Corona“ werden Anknüpfungspunkte für Empathie, internationale Solidarität, Weltoffenheit und Engagement geschaffen.

Die Sendereihe bietet eine gute Möglichkeit, um entwicklungspolitische Bildungsarbeit im In- und Ausland mit globalen Zusammenhängen zu erläutern. Es werden Anstöße zu entwicklungspolitischen Fragestellungen und Verweise auf Hintergrundinformationen gegeben.

In der letzten Folge erzählt Jan Wenzel vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) von den Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit von NROs im entwicklungspolitischen Bereich und speziell auf die Arbeit im Globalen Süden.

In anderen Folgen sprechen Experten zur Situation in den Ländern Ukraine, Kolumbien, Namibia, Georgien, Bolivien, Philippinen, Kenia, Uganda, Kamerun, Nigeria, Mali und Malawi. Reinhören lohnt sich! Hier direkt zu allen Folgen!

Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel

Nach pandemiebedingtem Stillstand der Öffentlichkeitsarbeit zu den aktuellen Entwicklungen in Burkina Faso, boten das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES) und die Initiative Endlich Afrika am 5. Februar Gelegenheit, eine Online-Veranstaltung zu diesen Themen mit Beteiligten aus Deutschland, Burkina Faso, der Schweiz und Luxemburg, durchzuführen.

Die Lage der Bevölkerung von Burkina Faso hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert. Als Folge des Terrors kam es zu Flüchtlingsbewegungen innerhalb Westafrikas, wobei Burkina Faso aufgrund seiner geografischen Lage eine Hauptlast schultern muss. Eine Hungersnot für 5 Mio. Einwohner wird befürchtet und jetzt hat die Pandemie in ihrer zweiten Welle Burkina Faso stärker als befürchtet in Mitleidenschaft gezogen. Die Aufmerksamkeit deutscher Medien für Westafrika ist spärlich. Die Auswirkungen der weltweiten Klimakatastrophe sind in der Sahelzone Burkina Fasos bereits seit Jahrzehnten immer deutlicher spürbar. Die Online Konferenz sollte somit Betroffenen und Aktivist*innen Gelegenheit zu Information, Sensibilisierung und Vernetzung bieten.

Die teilnehmenden Referenten, beantworteten Fragen zum Zusammenhang von Terror und Klimawandel, zur Kulturszene, zur politischen Situation des Landes, sowie zum Bildungssystem und zur Pandemie. Seit Jahren stehen sie durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Initiative „Endlich Afrika“ im Austausch.

Dr. Abdoul Salame Kaboré, dem wir diese Konferenz aus Anlass seines 70. Geburtstags gewidmet haben, blickt auf ein Leben ausgefüllt mit sozialem und politischem Engagement zurück. Als Gesundheitsminister unter dem panafrikanisch-sozialistischen Präsidenten Thomas Sankara (Regierungszeit von 1983-87), genießt er heute noch großes Ansehen in Burkina Faso. So war es nur folgerichtig, dass er nach dem friedlichen Umsturz 2014 für die sankaristische Partei zum Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Sourgou gewählt wurde.

Dr. Abdoul Kaboré (ehem. Gesundheitsminister)

Dr. Kaboré berichtete im Eröffnungsvortrag der Onlinekonferenz über die Ausbreitung von Covid 19 und die damit einhergehenden Maßnahmen und Folgen. So wurden einerseits zu Beginn der Pandemie keine hohen Inzidenzen gemeldet und an COVID 19 erkrankte Menschen verkraften die Erkrankung meist ganz gut – was nicht zuletzt auch damit zusammen hängen kann, dass das Durchschnittsalter in Burkina keine 50 Jahre beträgt. Ferner scheint die extrem trockene Hitze, wie auch die doch sehr verbreitete Einnahme von Chloroquin als Malariaprophylaxe auch einen Beitrag gegen einen erschwerten Verlauf der COVID-19-Infektionen zu leisten. Ein harter Lockdown hat jedoch sehr gravierende Folgen auf die ärmeren Teile der Bevölkerung, die dadurch harte Einkommenseinbußen zu verzeichnen hat und deren Kinder durch Schulschließungen die mit dem Schulbesuch einhergehende Verpflegung schlichtweg fehlt. Es wird teilweise Onlineunterricht oder Fernunterricht über das Fernsehen angeboten, kann jedoch von einer großen Zahl an Schüler*innen aufgrund mangelnder Infrastruktur nicht wahrgenommen werden. In der Behandlung von COVID-19-Erkrankten wird auch mit verschiedenen pflanzlichen Präparaten aus der alternativen traditionellen Medizin geforscht und es gibt kleinere Erfolge und positive Krankheitsverläufe, die durch traditionelle Behandlungen begleitet wurden.

Generell zeigt sich, dass das Land einerseits durch innovative Kräfte viele Möglichkeiten hat, der Pandemie zu begegnen – so wurden beispielsweise zahlreiche selbstgebaute Handwaschstationen geschaffen und viele Videos zur Sensibilisierung aufgenommen und verbreitet. Andererseits ist es noch immer nicht einfach in kurzer Zeit einen Coronatest zu machen und es kann noch nicht gesagt werden, wann Impfstoffe ins Land kommen werden. Seit Anfang dieses Jahres sind die Schulen wieder geöffnet und unter den allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zugänglich.

Der nachfolgende Vortrag von Gerhardt Haag, dem Leiter des africologneFESTIVALs in Köln, gab einen umfangreichen Überblick über die stark ausgeprägte und sehr innovative Kulturszene in Burkina Faso. Zahlreiche Künstler*innen im Bereich Theater, Tanz, Bildender Kunst und Musik widmen sich aktuellen global-politischen Themen (wie das aktuelle Theaterstück von Sinzo Aanza: „Plädoyer, den Kongo zu verkaufen“) oder das Tanztheater „Wakatt“ von Serge Aimée Coulibaly (Deutsche Uraufführung war am 17.09.2020 in Düsseldorf). Bildende Kunstschaffende beziehen bewusst die breite Bevölkerung in das künstlerische Schaffen mit ein (wie das 2020 im November stattgefundene Festival Récréatrales zum Thema: „So kleiden wir uns“) ganz in dem Sinne Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“.

Gerhardt Haag, Leiter des africologneFESTIVALs in Köln

Der Vortrag von Hamado Dipama, Mitglied des AK Panafrikanismus München, über die politische Situation in Burkina Faso insbesondere über den zunehmenden Terror, bezog sich noch einmal auf die Tatsache, dass es innerhalb des Landes Millionen von Binnengeflüchtete gibt, die aus den Regionen im Norden wie auch im Nordosten fliehen, um den dort sehr häufig auftretenden Terroranschlägen zu entgehen, zumal die zunehmende Unsicherheit dieser Regionen zum teilweisen Erliegen der Infrastruktur führt (wie z.B. Schulschließungen, geschlossene Wahllokale etc.). Sehr eindrucksvoll war das mit Mitteln der europäischen Union aufgestellte Straßenschild im Norden des Landes, welches darauf hin weist, dass die illegale Beförderung von Geflüchteten verboten ist und einer sehr hohen Geldstrafe obliegt. Die Europäischen Grenzen scheinen sich beträchtlich nach Süden über die Sahara hinweg verschoben zu haben.

Der vierte Vortrag von Dr. Fidèle Yaméogo, Universitätsprofessor für Germanistik in Ouagadougou, über das Bildungssystem, stellte sehr eindrücklich dar, welchen Herausforderungen schulische Bildung in Burkina Faso, auch ohne Corona-Pandemie, gegenüber steht. Die Anzahl der Schüler*innen pro Klasse und Lehrkraft ist – insbesondere in den ländlichen Regionen – sehr hoch (80 – 140 Schüler*innen) und die Ausstattung der Schulen auch nicht immer angemessen. Dadurch ist es noch immer nicht möglich alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen zu beschulen. Die Zahl der Abiturient*innen wie auch der Studierenden steigt in den letzten Jahren sehr, so dass es an den Universitäten nun einen größeren Bedarf an Dozent*innen gibt. Es wird versucht über Fernkurse und digitales Lernen sinnvolle Ergänzungen zu Präsenzvorlesungen anzubieten.

Im nächsten Schritt sollen in einer zweiten Online Konferenz, die am 10. März 2021 von 10-12 Uhr stattfinden wird, unter den Teilnehmenden Aktive gefunden und vernetzt werden, die sich gemeinsam für unterstützende Maßnahmen für das Land engagieren möchten. Bundesweit gibt es zahlreiche Initiativen, die dazu bereit sind und denen die Vernetzung durch die Corona-Pandemie erschwert wurde. Anmeldung und mehr Infos unter bildung@nes-web.de.

Eine der Organisatorinnen: Melanie Malter-Gnanou (NES e.V.)

Kommentar Melanie Malter-Gnanou: „Wir hoffen, dass wir es auf diesem Wege schaffen werden Menschen zusammenzubringen und das Interesse für Burkina Faso aufrecht zu erhalten bzw. zu wecken. Die Länder des Globalen Nordens tragen mit Verantwortung an den Ursachen von Flucht – sei es durch Extremwetterlagen wie Dürren, die zu massiven Ernteausfällen führen oder durch zunehmend instabiler werdende politische Situationen, die als Nebenwirkung einer globalisierten Wirtschaft vermehrt auftreten – sie sollten somit auch mit dazu beitragen die negativen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung abzumildern, Ihnen Chancen auf Teilhabe und eine Stärkung der in Burkina Faso schon sehr gut ausgeprägten Resilienz zu gewährleisten. Hierzu gehört es auch die eigenen traditionellen Systeme von Berufsausbildung, medizinischem Wissen und kooperativem Handeln zu stärken und in eine sinnvolle und passende Kombination mit den Errungenschaften des Globalen Nordens zu setzen – eine ganz besondere Herausforderung die bereits Thomas Sankara in den 80 er Jahren des letzten Jahrhunderts thematisierte. Doch glücklicherweise gilt dessen Devise noch immer „Les idées ne meurent jamais – Die Ideen sterben nie!“ „

Impf-Nationalismus bekämpfen: Niemand ist sicher, wenn nicht alle sicher sind

SÜDWIND, Institut für Ökonomie und Ökumene, veröffentlichte auf deren Blog am 21. Februar 2021 einen Artikel zur Verteilung der COVID19-Impfstoffe von Dr. Pedro Morazán. Morazán erläutert den Begriff „Impfstoff-Nationalismus“ und geht ihm auch ethisch auf die Spur.

„Impfstoffe sind die beste Chance, diese Pandemie unter Kontrolle zu bringen – es sei denn, die Politiker*innen erliegen dem Impfstoff-Nationalismus.“
– Dr. Pedro Morazán –

lesen Sie den vollständigen Artikel hier auf dem SÜDWIND-Blog.

„Ein Modell des Todes“: Palmölplantagen in Guatemala

Das Video „Ein Modell des Todes – Palmölplantagen in Guatemala“ der Christlichen Initiative Romero (CIR) zeigt, warum wir ein starkes Lieferkettengesetz brauchen, das robuste Sorgfaltspflichten für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in der gesamten Lieferkette vorschreibt. Aktivist*innen und Betroffene aus Guatemala prangern die rücksichtslose Ausbeutung von Menschen und Natur durch Palmölplantagen-Betreiber an. Sie berichten davon, dass ihnen diese Unternehmen buchstäblich das Wasser abgraben, um Palmöl u. a. für den deutschen Markt zu produzieren.

Die Bundesregierung hat sich Mitte Februar 2021 auf einen Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Doch sowohl die Pflichten hinsichtlich des Umweltschutzes als auch für die tiefere Lieferkette – also z. B. bei der Rohstoffproduktion – sind darin zu schwach ausgestaltet. Das Video verdeutlicht, warum hier dringender Nachbesserungsbedarf besteht. Denn noch werden die Lebensgrundlagen vieler Menschen weltweit weiterhin durch rücksichtslose Wirtschaftstätigkeiten zerstört.

Weitere Infos zum neuen Lieferkettengesetz

Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel

Online-Veranstaltung mit Dr. Abdoul Salame Kaboré, Bürgermeister in Burkina Faso und weiteren Diskussionspartnern bot Eindrücke direkt aus Burkina Faso

Gemeinsam mit der Initiative Endlich Afrika in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, gefördert durch das Netzwerk Selbsthilfe Saar e.V., organisierte das NES e.V. die Online-Veranstaltung „Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel“ am Freitag, den 5. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
Augenzeugen informierten über die derzeitige Situation in Burkina Faso, die gekennzeichnet ist durch akute Hungersnot, Terrorangriffe und COVID 19. Gleichzeitig hat Burkina Faso nach wie vor eine lebendige und vorwärtsweisende kulturelle Szene. Von dieser konnten sich schon mehrere SaarländerInnen, dank jahrzehntelanger Kooperation mit Menschen aus Burkina Faso, selbst überzeugen. Die Konferenz sollte dazu beitragen, Antworten zu suchen, wie die Lebensbedingungen der Menschen verbessert werden können.
Es waren unterschiedliche Referenten eingeladen, um Fragen zu Zusammenhängen von Terror und Klimwandel, zur Kulturszene und mehr zu beantworten:

  • Dr. Abdoul Salame Kaboré in seiner Funktion als Apotheker in Ouagadougou über die Ausbreitung von Covid 19;
  • Gerhardt Haag, Leiter des africologneFESTIVALs in Köln über die Kulturszene des Landes und seine aktuellen Eindrücke vom Festival Récréâtrales, von dem Initiativen zu politischen Veränderungen ausgehen;
  • Hamado Dipama, AK Panafrikanismus München: über die politische Situation nach den Wahlen angesichts von zunehmendem Terror und Binnenflüchtlingen
  • und Dr. Fidèle Yaméogo, Professor der Universtität in Ouagadougou, über das Bildungssystem und die Situation der burkinischen Studierenden angesichts der angespannten Lage.

    Musikalische Beiträge kamen von Seiten der Musiker von Le Balai Citoyen, die die friedliche Revolution von 2014 mit ihrer Bewegung auf den Weg gebracht haben.
    Es wurde eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche und umgekehrt angeboten.


Infos zu Burkina Faso:

Die Veranstaltung war Herrn Kaboré zum 70. Geburtstag gewidmet.
(c) Doris Müller

Der Präsident und Visionär Thomas Sankara regierte Burkina Faso vor über 30 Jahren und wollte das Land auf einen nachhaltigen und friedlichen Weg führen. Aus den damals entstandenen panafrikanisch-sozialistisch orientierten Parteikomitees traten in den 2000er Jahren die „Sankaristen“ als progressive politische Partei hervor. Der ehemalige Gesundheitsminister Dr. Abdoul Salame Kaboré gehört dieser Partei an und versucht die Werte von Thomas Sankara wieder aufleben zu lassen. Am 6. Februar wird Herr Kaboré 70 Jahre alt – ihm war die Veranstaltung gewidmet.

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Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit der Peter-Imandt-Gesellschaft – Rosa-Luxemburg-Stiftung und wird gefördert vom Netzwerk Selbsthilfe Saar e.V., vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und von Engagement Global mit Mitteln des BMZ.

Klagen für Klimagerechtigkeit! Unternehmen, Staaten und die EU müssen Verantwortung übernehmen

Vor 5 Jahren fand die Klimakonferenz in Paris statt, deren Abkommen bis heute als bahnbrechend und zukunftsweisend gilt. Da Maßnahmen, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen, jedoch in fast keinem der Länder, ausreichend umgesetzt wurden, gibt es bereits dramatische Folgen. Existenzen werden vernichtet, um unser Wirtschaftssystem zu erhalten wie es ist. Ist das gerecht? Darum und um die Einforderung von Gerechtigkeit ging es in der Veranstaltung „Klimaklagen und die Geschichten dahinter“ im Rahmen der Reihe 5 Impulse zu 5 Jahre Pariser Klimakonferenz. Für Alle, die nicht dabei sein konnten: Hier eine kurze Zusammenfassung unseres Moderators Max Dörr (NES e.V.) und ein 7-minütiges, informatives Video von der Organisation „People’s Climate Case“:

„In einer kurzen Einleitung zum Thema Klimagerechtigkeit konnten die Teilnehmer*innen durch das Weltverteilungsspiel verbildlichen wie ungleich Wohlstand und CO2-Emissionen weltweit verteilt sind. Doch was wird im globalen Norden dafür getan, um Klimagerechtigkeit weltweit einzufordern? Markus Raschke, Campaigner bei der NGO Protect the Planet, hat uns persönliche Portraits von Menschen in Europa vorgestellt dessen Lebensgrundlagen schon jetzt enorm von der Klimakrise beeinträchtigt werden. Die aus der Klimakrise entstehenden Existenzängste regen immer mehr Menschen weltweit dazu an, als sogenannte Klimakläger*innen, die Einhaltung des Pariser Abkommens von Unternehmen, Staaten oder der EU, einzufordern. Vom Imker aus Portugal zu Lavendelbauern in Südfrankreich, schon jetzt sind viele Familien – in und außerhalb von Europa – akut von der Klimakrise betroffen. Doch können diese Klagen erfolgreich sein? Lucy Maxwell, Menschenrechtsanwältin und leitende Juristische Mitarbeiterin beim Climate Litigation Network, hob in ihrem Vortrag hervor, dass Klimaklagen sich schon in mehreren Staaten vor Gerichten behaupten konnten und erklärte den Ablauf solcher gerichtlichen Verfahren. Nach der erfolgreichen holländischen Urgenda-Klage, verpflichte sich die Regierung, mehr in Klimaschutz zu investieren, setzte sich ambitioniertere Klimaziele und führte konkrete Gesetze ein, um solche in verschiedenen Sektoren einzuhalten wie z.B. ein 100km/h Tempolimit.

Dieser Erfolg inspirierte viele andere Klagen gegen nationale Regierungen, so dass nun auch in Frankreich und Irland Klagen auf einem guten Weg sind durchzukommen. Außerdem erreichten Klimagkläger*innen in den Ländern Kolumbien, Nepal und Pakistan, dass Klimawandel nun vor Gericht als Menschenrechtsthematik gewertet wird.“