Bericht über die politische Lage in Senegal: Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye/ Khombole, Senegal

„Am 24. Februar 2024 finden die Prӓsidentschaftswahlen in Senegal statt. Der aktuelle Prӓsident Senegals, Macky Sall, hat in den letzten Monaten behauptet, er sei kein Kandidat bei diesen Wahlen. Deshalb hat er für seine Koalition( Benno Bokk Yaakar) Amadou Ba, den jetzigen Premier Minister, als Kandidaten für die Koalition ausgewӓhlt. So gibt es auch viele weitere Kandidaten anderer Parteien und Koalitionen. Jetzt zӓhlt man ungefӓhr 256 Kandidaten.

Aber bevor ein Kandidat bestӓtigt wird, muss er bei der Bevӧlkerung 41900 Fӧrderer bekommen. Wenn ein Kandidat keine richtigen 41900 Fӧrderer erhӓlt, dann darf er nicht als Kandidat an den Wahlen teilnehmen. Die Bestӓtigung soll das Verfassungsgericht übernehmen. In Aufsicht auf den Prӓsidentschaftswahlen am 24. Februar 2024 wurde die Partei des berühmten Opposanten Ousmane Sonko aufgelӧst. Das war eine gerichtliche Entscheidung wegen Ousmane Sonkos Auseinandersetzungen mit der Justiz. Er war und bleibt immer noch im Gefӓngnis. Nicht nur die Partei von Herrn Sonko wurde aufgelӧst, sondern er selbst wurde auch von den Wahllisten gestrichen. Das heisst, Ousmane Sonko dürfe nicht mehr wӓhlen und ausgewӓhlt werden : Er sei nun unwӓhlbar. Trotzdem hatten seine Anwӓlte diese Gerichtsentscheidung bei dem Gericht in Ziguinchor angefechtet, denn Ousmane Sonko wurde in den Wahllisten in Ziguinchor eingetragen. So hatte der Richter in Ziguinchor, Sabassy Faye, die Gerichtsentscheidung am 12. Oktober 2023 aufgehoben und die Wiedererlangung von Sonko in den Wahllisten befohlen. In diesem Sinne kӧnnte Sonkos Vertrer die Fӧrderungsformulare bei der C.E.N.A. (das ist die hӧchste Kommission, die sich um die Wahlen kümmert).

Trotz des Urteilsspruchs vom Richter Sabaasy Faye hatte der Staat Senegals die Sache bei dem oberstem Gerichtshof in Dakar beklagt. Gleichzeitig beklagten die Anwӓlte von Sonko gegen die Auflӧsung Sonkos Partei bei der wirtschaftlichen westafrikanischen Gemeinschaft( Franzӧsisch : CEDEAO). Das CEDEAO-Gericht hatte nach dem Plӓdoyer seinen Urteilsspruch über die Auflӧsung der Partei von Sonko( PASTEF) am 17. November gegeben. Es bestӓtigte auch die Auflӧsung der Partei. Am gleichen Tag hatte auch der oberste Gerichtshof in Dakar angekündigt, dass Herr Sonko unwӓhlbar bleibt. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Wahlbarkeit von Ousmane Sonko wird wieder beurteilt werden.

Außerdem hat Sonko neulich erklӓrt, Bassirou Diomay Faye muss gefӧrdert werden. Seine Fӧrderung hat schon begonnen und er habe bereits über eine Million Fӧrderer. Bassirou Diomay gehӧrt zur Partei PASTEF und ist seit mehreren Monaten im Gefӓngnis.

Mal sehen, wie alle diese Szenen beenden werden.“

(Update: Interview der Heinrich Böll Stiftung zur Verschiebung der Wahlen vom 21. Februar 2024)

Unruhen im Senegal vor den Präsidentschaftswahlen

Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye in Khombole, Senegal berichtet über die Unruhen im Senegal.

„Senegal ist ein Land in Westafrika. Es wurde immer als ein friedliches Land bezeichnet im Gegensatz zu vielen Lӓndern Afrikas. Seit seiner Unabhӓngigkeit im Jahre 1960 gab es den Frieden in Senegal. Deshalb wurden alle vier Prӓsidenten legal gewӓhlt : Léopold Sédar Senghor (von 1960 bis 1981), Abdou Diouf (von 1981 bis 2000), Abdoulaye Wade (von 2000 bis 2012), Macky Sall (von 2012 bis heute).

Mit der Prӓsidentschaft von Macky Sall werden immer noch Politiker, Journalisten …. verhaftet. Der vorherrschende und berühmte Politiker ist Ousmane Sonko. Manche denken, Macky Sall wolle Ousmane Sonko von der Prӓsidentschaftswahlen vom Jahr 2024 ausschließen. Deshalb gibt es Komplotts gegen den Opposanten Sonko. Es hieß, er habe das Mӓdchen A. S. vergewaltigt, das in einem Massagesalon arbeitete. In diesem Massagesalon habe er A. S. mehrmals vergewaltigt und ihr mit dem Tod gedroht.

Dies soll im Jahr 2021 stattgefunden haben. Seitdem sollte Sonko vor dem Gericht verurteilt werden. Schon am 3. Mӓrz 2021 gab es Proteste gegen dieses Urteil und 14 Personen wurden getӧtet. Zwei Jahre spӓter wollte die Regierung endlich das Verfahren beenden.  Ousmane sollte am 23. Mai vor Gericht gehen, aber er lehnte es ab. Trotzdem wird er verurteilt, wӓhrend er sich in Ziguinchor aufhält (er ist auch der Bürgermeister von Ziguinchor). In Ziguinchor protestierten schon die Leute dort, denn die FDS (Forces de défense et de sécurité꞊ Verteidigungs- und Sicherheitskrӓfte) wollten Sonkos Haus verbarrikadieren. Nach der Verhandlung am 23. Mai sollte der endgültige Urteilsspruch am 1. Juni bekannt gemacht werden. Inzwischen hatte der Opposant eine Karawane des Frieden von Ziguinchor nach Dakar organisieren wollen. So hatte er Ziguinchor am 26. Mai verlassen, um durch verschiedene Orte Senegals nach Dakar zu fahren. Aber am 28. Mai wurde er von den FDS unmittelbar nach Dakar gefahren. Dann haben sie seinen Aufenthaltsort in Dakar wieder verbarrikadiert.

Da die Lage komplizierter geworden ist, appellieren die Anhӓnger von Sonko an Protesten im ganzen Senegal vor allem in Dakar. Die Proteste begannen am 1. Juni. An diesem Tag gab es bereits Tote in Ziguinchor und in Dakar. In 3 Tagen gab es 17 Tote. Die Regierung hatte auch das Internet blockiert, weil Bilder und Videos der Demonstrationen auf den sozialen Netzwerken gepostet wurden. Die Regierung meint, das war eine Gewaltverherrlichung. Deshalb habe die Regierung etwas über 600 Personen verhaftet darunter Politiker, Journalisten, Lehrer, Studenten, Schüler.

Schließlich wird Ousmane Sonko für 2 Jahre Gefӓngnis und 200 Millionen Bußgeld wegen  « Anstiftung zur Unzucht von Jugendlichen » verurteilt. Und das bedeutet, das er nicht an den kommenden Prӓsidentschaftswahlen teilnehmen kann.“

Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye in Khombole, Senegal

Mehr Infos dazu hier: https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/senegal-proteste-100.html

Auswirkungen des Ukraine Krieg auf Menschen in Senegal

Herr Diouf ist Gymnasiallehrer für Deutsch als Fremdsprache in Senegal. Für uns hat er über die Auswirkungen des Ukraine Krieges in Senegal gesprochen. Hier gibt es weitaus drastischere Preissteigerungen als in Deutschland.

Die Preise für Lebensmittel oder Materialien für den Hausbau haben sich zum Teil verdoppelt. Die Ernten waren schlecht, da es nicht viel geregnet hat in der Regenzeit und die Kosten für die Ernte sind teurer geworden. Als der Präsident letztes Mal in Russland war hat er einen Vertrag mit Putin geschlossen, dass Getreide aus der Ukraine exportiert werden kann (mehr zum Thema bei der Süddeutschen).

Herr Diouf beteiligt sich unter anderem auch am bundesweiten Projekt „Chat der Welten“, bei dem Schulklassen oder Gruppen aus Deutschland sich mit Menschen aus dem Globalen Süden unterhalten können, um einen spannenden Perspektivwechsel zu erleben.

Corona-Krise und Schule in Senegal

Nachdem das Coronavirus in vielen Ländern der Welt aufgetaucht war, kannte Senegal seinen ersten Corona-Fall am 02. März 2020.  Seitdem gab es immer mehr Infizierte. Deshalb hatte Macky Sall, der senegalesische Präsident, die Entscheidung getroffen, alle Schulen und Universitäten zu schließen.

Die Schüler, die Studenten und alle Lehrer sollten zu Hause bleiben. Die Regierung dachte trotzdem an Online-Unterricht (über soziale Netzwerke wie z.B. Whatsapp, Facebook usw.) Das Fernsehen nahm auch an diesem Projekt teil. Das Projekt heißt „Télé-école“. Die Idee war, die Schüler sollen nichts verlernen. Leider gibt es ein Problem damit, denn viele Lernende und Studenten haben keinen (guten) Internetzugang.

Am 23. März 2020 hielt der Präsident eine zweite Rede. In seiner Rede hatte er gewisse Entscheidungen getroffen unter denen die Ausgangssperre im ganzen Land, die Schulen und Universitäten bleiben geschlossen usw. An diesem Tag gab es schon 479 Infektionsfälle und 6 Verstorbene.

In seiner dritten Rede am 11. Mai sprach er von Erleichterung der Maßnahmen. Das heißt, man kann jetzt von 5 Uhr bis 21 Uhr das Haus verlassen. Die Leute können auch, wenn sie wollen, in den Kirchen und Moscheen beten. Er empfahl sogar, die Schulen am 2. Juni wieder zu öffnen. Diese Wiederöffnung betrifft nur die Schüler, die eine Prüfung am Ende des Jahres machen müssen. Die anderen Lernenden sollen immer noch von zu Hause weiter lernen.

Ich finde auf jeden Fall die Wiederöffnung der Schulen sinnlos, denn bis heute gibt es 2812 Infektionsfälle und 32 Gestorbene.

Ich frage mich: Wie kann der Präsident die Schulen auf diesem Hintergrund wieder öffnen? Warum hatte er am 16. März sofort die Schulen geschlossen, obwohl es nur 27 Infektionsfälle gab?

Ich habe deshalb vier Schüler gefragt, was sie von der Wiedereröffnung der Schulen halten? Hier sind Antworten:


Djibril Sène, Abiturient: „Das Erziehungssystem ist in Gefahr. Nach zwei Monaten ohne Schule ist es nicht mehr möglich, die Prüfungen im August zu machen.“


Arame Thioune, Abiturientin: „ Es ist schwer an diesem Tag wieder in die Schule zu gehen. Die Infektionsfälle steigen immer mehr. Wir sollten immer noch zu Hause bleiben.“


Mame Diarra Dieng, Schülerin in der Premièreklasse: „ Die Krankheit ist immer noch da. Ich würde die Behörden darum bitten, die Wiederöffnung der Schulen zu verschieben.“


Fatou Kiné Guéye, Abiturientin: „ Ich finde, dass die Wiederöffnung sehr normal ist, denn wir müssen eine Prüfung machen. Man weiss nicht, wann die Krankheit verschwinden wird. Und wir haben schon viel Zeit verloren.“


Obwohl der Erziehungsminister gewisse Maßnahmen für eine erfolgreiche Wiederöffnung getroffen hat, haben die meisten Leute Angst davor.