Willkommen auf unserem Blog!

Hier sammelt das NES e.V. Stimmen aus dem Globalen Süden zu verschiedenen Themen, die uns alle betreffen und bewegen. Wie geht es Menschen am anderen Ende der Welt? Was erleben Sie, was denken sie, was sind ihre Ideen? Dieser Blog soll Einblicke geben in oft vergessene Weltregionen, zum Perspektivenwechsel und zur Empathie anregen und dazu führen, dass die Welt ein kleines Stückchen mehr zusammenwächst und die Menschen friedlicher und nachhaltiger zusammen leben.
Die Artikel haben bestimmte Schwerpunktthemen: Corona-Krise, Klimawandel und Ukraine-Krieg waren bisher Themen.

Klicken Sie auf die bunt gefärbten Länder, um Berichte aus denselben zu lesen.

Gender Equality in El Salvador

Nora Vargas erzählt etwas über ihre persönlichen Ideen zum Thema Geschlechtergleichheit in El Salvador für das Projekt CHAT der WELTEN. Was bedeutet Geschlechtergleichheit und wieso ist es ein wichtiges Thema? In El Salvador gibt es unterschiedliche feministische Bewegungen, die für Gendergerechtigkeit kämpfen, das Thema steht in El Salvador auch stark mit dem Schutz der Natur im Zusammenhang. In der Politik und im Bildungssystem könnten Frauen noch besser repräsentiert sein.
Das Video ist auf spanisch und kann automatisch mit Untertiteln versehen und übersetzt werden über Youtube.

Mehr Informationen zum CHAT der WELTEN hier.

Bericht über die politische Lage in Senegal: Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye/ Khombole, Senegal

„Am 24. Februar 2024 finden die Prӓsidentschaftswahlen in Senegal statt. Der aktuelle Prӓsident Senegals, Macky Sall, hat in den letzten Monaten behauptet, er sei kein Kandidat bei diesen Wahlen. Deshalb hat er für seine Koalition( Benno Bokk Yaakar) Amadou Ba, den jetzigen Premier Minister, als Kandidaten für die Koalition ausgewӓhlt. So gibt es auch viele weitere Kandidaten anderer Parteien und Koalitionen. Jetzt zӓhlt man ungefӓhr 256 Kandidaten.

Aber bevor ein Kandidat bestӓtigt wird, muss er bei der Bevӧlkerung 41900 Fӧrderer bekommen. Wenn ein Kandidat keine richtigen 41900 Fӧrderer erhӓlt, dann darf er nicht als Kandidat an den Wahlen teilnehmen. Die Bestӓtigung soll das Verfassungsgericht übernehmen. In Aufsicht auf den Prӓsidentschaftswahlen am 24. Februar 2024 wurde die Partei des berühmten Opposanten Ousmane Sonko aufgelӧst. Das war eine gerichtliche Entscheidung wegen Ousmane Sonkos Auseinandersetzungen mit der Justiz. Er war und bleibt immer noch im Gefӓngnis. Nicht nur die Partei von Herrn Sonko wurde aufgelӧst, sondern er selbst wurde auch von den Wahllisten gestrichen. Das heisst, Ousmane Sonko dürfe nicht mehr wӓhlen und ausgewӓhlt werden : Er sei nun unwӓhlbar. Trotzdem hatten seine Anwӓlte diese Gerichtsentscheidung bei dem Gericht in Ziguinchor angefechtet, denn Ousmane Sonko wurde in den Wahllisten in Ziguinchor eingetragen. So hatte der Richter in Ziguinchor, Sabassy Faye, die Gerichtsentscheidung am 12. Oktober 2023 aufgehoben und die Wiedererlangung von Sonko in den Wahllisten befohlen. In diesem Sinne kӧnnte Sonkos Vertrer die Fӧrderungsformulare bei der C.E.N.A. (das ist die hӧchste Kommission, die sich um die Wahlen kümmert).

Trotz des Urteilsspruchs vom Richter Sabaasy Faye hatte der Staat Senegals die Sache bei dem oberstem Gerichtshof in Dakar beklagt. Gleichzeitig beklagten die Anwӓlte von Sonko gegen die Auflӧsung Sonkos Partei bei der wirtschaftlichen westafrikanischen Gemeinschaft( Franzӧsisch : CEDEAO). Das CEDEAO-Gericht hatte nach dem Plӓdoyer seinen Urteilsspruch über die Auflӧsung der Partei von Sonko( PASTEF) am 17. November gegeben. Es bestӓtigte auch die Auflӧsung der Partei. Am gleichen Tag hatte auch der oberste Gerichtshof in Dakar angekündigt, dass Herr Sonko unwӓhlbar bleibt. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Wahlbarkeit von Ousmane Sonko wird wieder beurteilt werden.

Außerdem hat Sonko neulich erklӓrt, Bassirou Diomay Faye muss gefӧrdert werden. Seine Fӧrderung hat schon begonnen und er habe bereits über eine Million Fӧrderer. Bassirou Diomay gehӧrt zur Partei PASTEF und ist seit mehreren Monaten im Gefӓngnis.

Mal sehen, wie alle diese Szenen beenden werden.“

(Update: Interview der Heinrich Böll Stiftung zur Verschiebung der Wahlen vom 21. Februar 2024)

Proteste gegen Studiengebühren in Südafrika – Siphila Dlamini, Aktivist aus Südafrika

Siphila Dlamini ist ein prominenter südafrikanischer Aktivist, der für seine einflussreiche Rolle in der Bewegung „Fees Must Fall“ bekannt ist. Im Video redet er über die Proteste und seine Motivation von damals. Als ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzender des Congress of South African Students (COSAS) in Mpumalanga spielte er eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung von Oberschülern während des Höhepunkts der Bewegung 2015/16. Dlaminis Engagement ging über die Mobilisierung hinaus, denn er leistete einen strategischen Beitrag zum Sammeln von Informationen und zur Spionageabwehr, um die Effektivität der Bewegung zu gewährleisten. Gegenwärtig ist er Vorsitzender der United Nations Association of South Africa in the Free State und hat auch Positionen im SADC Youth Forum und in der Afrikanischen Union inne. Dlamini ist Befürworter einer freien, entkolonialisierten Bildung in Südafrika und setzt sich aktiv für die Förderung einer integrativen und gerechten Gesellschaft ein.

Ein ergänzender Bericht der Deutschen Welle über die Proteste hier (05.10.2016).

Unruhen im Senegal vor den Präsidentschaftswahlen

Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye in Khombole, Senegal berichtet über die Unruhen im Senegal.

„Senegal ist ein Land in Westafrika. Es wurde immer als ein friedliches Land bezeichnet im Gegensatz zu vielen Lӓndern Afrikas. Seit seiner Unabhӓngigkeit im Jahre 1960 gab es den Frieden in Senegal. Deshalb wurden alle vier Prӓsidenten legal gewӓhlt : Léopold Sédar Senghor (von 1960 bis 1981), Abdou Diouf (von 1981 bis 2000), Abdoulaye Wade (von 2000 bis 2012), Macky Sall (von 2012 bis heute).

Mit der Prӓsidentschaft von Macky Sall werden immer noch Politiker, Journalisten …. verhaftet. Der vorherrschende und berühmte Politiker ist Ousmane Sonko. Manche denken, Macky Sall wolle Ousmane Sonko von der Prӓsidentschaftswahlen vom Jahr 2024 ausschließen. Deshalb gibt es Komplotts gegen den Opposanten Sonko. Es hieß, er habe das Mӓdchen A. S. vergewaltigt, das in einem Massagesalon arbeitete. In diesem Massagesalon habe er A. S. mehrmals vergewaltigt und ihr mit dem Tod gedroht.

Dies soll im Jahr 2021 stattgefunden haben. Seitdem sollte Sonko vor dem Gericht verurteilt werden. Schon am 3. Mӓrz 2021 gab es Proteste gegen dieses Urteil und 14 Personen wurden getӧtet. Zwei Jahre spӓter wollte die Regierung endlich das Verfahren beenden.  Ousmane sollte am 23. Mai vor Gericht gehen, aber er lehnte es ab. Trotzdem wird er verurteilt, wӓhrend er sich in Ziguinchor aufhält (er ist auch der Bürgermeister von Ziguinchor). In Ziguinchor protestierten schon die Leute dort, denn die FDS (Forces de défense et de sécurité꞊ Verteidigungs- und Sicherheitskrӓfte) wollten Sonkos Haus verbarrikadieren. Nach der Verhandlung am 23. Mai sollte der endgültige Urteilsspruch am 1. Juni bekannt gemacht werden. Inzwischen hatte der Opposant eine Karawane des Frieden von Ziguinchor nach Dakar organisieren wollen. So hatte er Ziguinchor am 26. Mai verlassen, um durch verschiedene Orte Senegals nach Dakar zu fahren. Aber am 28. Mai wurde er von den FDS unmittelbar nach Dakar gefahren. Dann haben sie seinen Aufenthaltsort in Dakar wieder verbarrikadiert.

Da die Lage komplizierter geworden ist, appellieren die Anhӓnger von Sonko an Protesten im ganzen Senegal vor allem in Dakar. Die Proteste begannen am 1. Juni. An diesem Tag gab es bereits Tote in Ziguinchor und in Dakar. In 3 Tagen gab es 17 Tote. Die Regierung hatte auch das Internet blockiert, weil Bilder und Videos der Demonstrationen auf den sozialen Netzwerken gepostet wurden. Die Regierung meint, das war eine Gewaltverherrlichung. Deshalb habe die Regierung etwas über 600 Personen verhaftet darunter Politiker, Journalisten, Lehrer, Studenten, Schüler.

Schließlich wird Ousmane Sonko für 2 Jahre Gefӓngnis und 200 Millionen Bußgeld wegen  « Anstiftung zur Unzucht von Jugendlichen » verurteilt. Und das bedeutet, das er nicht an den kommenden Prӓsidentschaftswahlen teilnehmen kann.“

Herr Diouf, Deutschlehrer am Gymnasium Coumba Diack Guèye in Khombole, Senegal

Mehr Infos dazu hier: https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/senegal-proteste-100.html

Kinoabend und Diskussion „Bigger than us“ mit Stimmen von jungen Menschen im Einsatz für eine bessere Zukunft

Am 25. bis 27. Mai, jeweils um 20 Uhr, zeigt das NES e. V. in Kooperation mit dem Kino 8 1/2 und Greenpeace Saar den Film „Bigger Than Us“. Am Donnerstag, 25.5. folgt eine Diskussion mit Protagonisten des Films.

Im Film zeigt Reggiseurin Flore Vasseur die Geschichte von Melati gegen die Plastikverschmutzung ihrer Heimat Indonesien und verzeichnete mit der Initiative „Bye Bye Plastic Bags“ bereits große Erfolge. Doch die 18-Jährige ist noch lange nicht fertig. Auf der Suche nach Inspiration und Gleichgesinnten reist Melati um die Welt und wird dabei von einem Dokumentarfilmteam begleitet. Auf ihrer Reise lernt die Aktivistin sechs junge Menschen kennen, die ihre Vision teilen. Die junge Memory in Malawi, die Engländerin Mary auf der Insel Lesbos, Xiutezcatl in Colorado, René in einer Favela in Rio de Janeiro, Winnie in Uganda und Mohamad an der libanesisch-syrischen Grenze. Sie alle haben, ähnlich wie Melati, bereits große Veränderungen bewirkt und lassen die Zuschauer*innen an ihren Einsätzen und ihrem Engagement teilhaben. Sie kämpfen vor Ort für Menschenrechte, für Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und den Zugang zu Bildung oder Nahrung und gegen die drohende Klimakatastrophe. Vereint in ihrem geteilten Humanismus und der Hoffnung, etwas verändern zu können, setzen sich diese jungen Leute Tag für Tag für ihre Werte ein. In ihrer Gewissheit, Teil von etwas zu sein, das größer ist als sie selbst, stehen sie in ihrem Kampf nicht alleine da. (Kino.de)

Karten über das Kino 8 1/2 hier.

Der offizielle Trailer stellt die jungen Aktivist*innen vor:

Wer versteht nur Spanisch…? – Nicaragua goes Saarland

Heute spricht Enrique Picado Álvarez aus Managua, Nicaragua in spanischer Sprache zu uns. Ganz ohne Übersetzung. Perfekt für die Winterzeit, wo es viel Zeit gibt die Spanisch ganz neu oder wieder zu entdecken. So unsere Idee in der Redaktion. 🙂 Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit sich der Untertitel in Spanischer oder Deutscher Sprache zu bedienen. Wie das funktioniert wird hier ausführlich beschrieben. (Haben Sie dazu Fragen? Wir freuen uns über Ihre Nachricht. )

Enrique Picado Álvarez ist Mitbegründer des Movimiento Comunal Nicaragüense (MCN – Nicaraguanische Kommunalbewegung) und war seit den 80er Jahren schon mehrmals in Europa. Er war über zwei Perioden Präsident der Organisation und ist heute noch Mitglied des Vorstandsgremiums (Junta Directiva Nacional). In diesem Zusammenhang koordiniert er das Programm der kommunitären Gesundheit.

Das MCN Arbeitet mit der Bevölkerung auf dem Land und in den Städten um diesen die aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu ermöglichen mit dem Ziel, soziale, wirtschaftliche und Umweltrechte zu erlangen. Dazu gehören das Recht auf Gesundheit, Bildung und Nahrungsmittel. Das MCN kämpft für den Erhalt der natürlichen Ressourcen wie z.B. Wasser sowie gegen den Klimawandel.

Mehr zum MCN: https://www.mcnicaraguense.org/. Der Kontakt zum MCN wurde uns durch das Öko Büro in München vermittelt. Vielen Dank dafür an Samuel Weber!.

Enrique war im Oktober 2022 bei der Diskussion „Wenn das Leben immer teurer wird“ zu Preissteigerungen und Lebenshaltungskosten in Lateinamerika und dem Saarland im Filmhaus Saarbrücken mit einem Impulsvortrag und auf dem Podium. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier in unserem Blog.

Neue Perspektiven im schönen Saarland! :)

Hallo und Bonjour! Wir sind Assubel aus Kamerun und Manuela aus Saarbrücken. Seit Anfang Dezember arbeiten wir zusammen an einem Projekt beim Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Erklärvideos zum deutschen Kolonialismus zu erstellen, welche als Zielgruppe Schüler*innen aus dem Saarland und dem globalen Süden haben. Doch wie kamen wir dazu?

Assubel und ich nehmen an einem Bildungsprogramm teil. Dieses heißt kulturweit-Tandem und wird vom Auswärtigen Amt gefördert. Es ist Teil des Maßnahmenkataloges der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Es setzen sich jeweils zwei Teilnehmer*innen aus einem afrikanischen Land und Deutschland mit der Geschichte des Kolonialismus und seinen Auswirkungen auf die Gegenwart auseinander. Zusammen entwickeln sie Projekte gegen Rassismus, die in Theatern, Museen und Schulen, bei Vereinen, Initiativen oder in Betrieben in Deutschland umgesetzt werden.

Das kulturweit-Programm besteht aus einem zweimonatigen, alltagsbegleitenden Sprachkurs, einem dreiwöchigen Seminar in Nairobi, Kenia und einer dreimonatigen Projektphase in Deutschland.

Assubel lernt Deutsch und ich versuche mich an Französisch. Die Sprachkurse haben wir schon abgeschlossen und nun versuchen wir im Tandem uns auf beiden Sprachen zu unterhalten. Unsere Zeit in Kenia haben wir auch schon hinter uns. Wir hatten viele Seminare und Workshops rund um das Thema Kolonialismus, spannende Diskussionen und Vorträge. Insgesamt war die Zeit in Nairobi eine super Erfahrung, bei der wir auch die anderen Tandems, die nun in ganz Deutschland verteilt sind, kennengelernt haben. Durch den Austausch haben wir uns ein Grundwissen angeeignet, das wir nun ausbauen und in der Projektphase in Deutschland anwenden. Wir wollen mit unseren Erklärvideos auf den deutschen Kolonialismus aufmerksam machen und vor allem aufzeigen, welche kolonialen Kontinuitäten noch heute im globalen Norden und insbesondere im globalen Süden bestehen. Damit würden wir Schüler*innen gerne zum Nachdenken und Handeln bewegen und uns so für eine Welt ohne Diskriminierung engagieren.

Wenn Du dich auch für das Bildungsprogramm interessierst, gibt es hier alle Informationen rund um das Programm und die Bewerbung: https://www.kulturweit.de/tandem

Beim NES e.V. wird das kulturweit-Tandem von CHAT der WELTEN im Saarland betreut.

Folgen des Klimawandels für die kenianische Bevölkerung: Prof. Dr. Titus Ogalo Pacho (Christian Universität in Kenia)

Zusammenfassung des Videos:

Prof. Dr. Titus Ofalo Pacho berichtet über die Folgen des Klimawandels. Für ihn ist die globale Erhitzung eine der größten Herausforderungen der Menschheit in diesem Jahrhundert. Nordkenia sei dieser am Meisten ausgesetzt.

Als Folgen nennt er unter anderem die extreme Dürre und den daraus resultierenden Nahrungsmangel, hungernde Menschen, bis hin zum Tod durch Nahrungsmangel. Auch das Vieh sei gestorben aufgrund der Dürre und andere Lebewesen, die unter der Dürre leiden. In den Nachrichten wurde zum Beispiel berichtet, dass in den letzten zehn Monaten 205 Elefanten gestorben seien aufgrund der Dürre.

Die Mangelernährung führe auch zu Krankheiten, insbesondere bei Kindern. Außerdem kommt es zu gefährlichen Situationen für vor allem Frauen und Kinder, die weite Distanzen zurücklegen müssen, um Wasser zu finden. Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen haben viele Menschen ihr Zuhause verlassen. Eine weitere Konsequenz des Nahrungsmangels ist ein Ausfall des Schulunterrichts und Heirat in jüngerem Alter um Nahrungssicherheit herzustellen. Durch den Mangel an Nahrungsmittels wird auch er Tourismus eingeschränkt, der weniger attraktiv ist.

Prof. Dr. Pacho fordert einen Wandel des Lebensstils, Umstieg auf erneuerbare Energien und Aufforstung. Als positives Beispiel nennt er das von ihm zuletzt besuchte Land, Finnland, welches zu 75 % aus Wald besteht. Insbesondere im Bereich der Solarenergie sieht er große Chancen, um den CO2-Ausstoß und Folgen des Klimawandels zu mindern.

Wenn das Leben teurer wird – Diskussionsveranstaltung mit Gästen aus El Salvador und Nicaragua am 10. Oktober 2022

Rosa Isabas Galeano und Enrique Picado Álvarez sind Aktivist*innen aus El Salvador und Nicaragua. Im Oktober sind sie zwei Wochen durch Deutschland gereist, um über die Preissteigerungen und die daraus entstehenden Herausforderungen in Zentralamerika zu informieren.

Nicht nur im Saarland, in Deutschland und Europa, sondern überall auf der Welt sind Menschen mit den steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Was das für uns hier im Saarland bedeutet und im Vergleich für Menschen aus Ländern in Zentralamerika, wurde am 10. Oktober in einer Diskussion mit Gästen aus Nicaragua, El Salvador und dem Saarland im Saarbrücker Filmhaus zum Thema gemacht. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e. V. in Kooperation mit der Saarländischen Armutskonferenz, der Arbeitskammer des Saarlandes und dem Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit e. V..

Zunächst berichtete Rosa Isabas Galeano aus El Salvador (RACDES) über Missstände in ihrem Land: Die Regierung habe 2021 ein neues Wassergesetz zugunsten der großen Plantagen verabschiedet, welches für die allgemeine Bevölkerung keine Vorteile bot (mehr zum Gesetz hier). Außerdem finden junge Menschen nach dem Uni-Abschluss keinen Job und emigrieren nach Amerika. Viele würden auf dem Weg durch Mexiko sogar sterben. Ein weiteres Problem sei die Diskriminierung der Frauen über 50 Jahren. Sie fänden keinen Job und verkaufen oft Dinge auf der Straße wie z. B. Wasser oder Süßigkeiten.

Enrique Picado Álvares aus Nicaragua (MCN) bedauert, an diesem Tag über Armut referieren zu müssen und nicht über Reichtum. Wie ist es zu dieser Armut in Nicaragua gekommen? Migration sei auch hier ein Ergebnis dieser Armut. Alle Menschen der Organisation Movimiento Comunal Nicaragüense von Picado sind freiwillige Mitarbeiter aus der Gemeinde. Sie arbeiten auf verschiedenen Gebieten, zum Beispiel zu Klima und Gesundheit. Sie arbeiten in verschiedenen Netzen für das Wohlergehen und Menschenrechte auf dem Land und in Städten. Nicaragua kämpfe zwischen Armut und Reichtum. Die makroökonomische Situation sei zwar stabil, aber was die einzelnen Menschen in der Tasche haben – da sehe es düster aus. Das makroökonomische Niveau habe mit den Menschen auf der Straße nichts zu tun.

Was Rosa Isabas Galeano berichtet hat, gelte auch für Nicaragua, aber auch für Costa Rica. Es gäbe Familien, die können nicht alle Kinder in die Schule schicken, weil sie kein Geld dafür haben. Luxus wie Ausgehen oder Essen gehen, können sie sich sowieso nicht leisten. Viele sind gezwungen, auszuwandern. Man könnte trotzdem über Programme sprechen, die sich positiv entwickelt haben. Das Gesundheitswesen habe sich zum Beispiel verbessert. Wir haben eine gute Infrastruktur, wir haben gute Schulen, universelle soziale Programme:

„Einer Frau wird zum Beispiel eine Kuh, Schwein oder Henne gegeben, um eine Grundlage aufzubauen.“

Eine große Ungleichheit entstehe auch dadurch, dass circa 30 % der Schwangerschaften, Mädchen unter 18 Jahren treffe. Sie können dann nicht zur Schule gehen und ihren Träumen nachgehen.

Das kapitalistische System unseres Landes bringt uns bei, dass die Armen Schuld sind, dass sie arm sind.

Weitere Probleme seien hohe Lebenshaltungskosten für Klamotten, Schule oder Studium. Große Unternehmer sind nicht an Sozialem interessiert. Die Allerschwächsten / Frauen sind im Griff des Marktes und es gibt keinen Schutzmechanismus. Es sind natürlich auch die lokalen Märkte, die Schuld sind, die wiederum von den großen internationalen Unternehmen abhängen, welche die Umwelt zerstören und z. B. Wasser verschmutzen. Ein weiteres Beispiel sind die Pharmaunternehmen und die Abhängigkeit von teuren Medikamenten. Wir haben viele Motive, uns einzusetzen / zu kämpfen. Die Herausforderung sei der Umweltschutz, Schutz der Wälder, der Tierwelt und Gewässer. Ein Hurrikan habe gerade El Salvador verlassen, erzählt Picado, jetzt gehe er in Richtung Guatemala, die Häuser böten nicht den notwendigen Schutz.

„Gemeinsame Ziele, wofür wir kämpfen sollten, ist der Schutz unserer Menschenrechte. Das betrifft Menschen in Deutschland, sowie in Nicaragua und El Salvador“

Mit dem Vortrag von Michael Leinenbach (Vorsitzender der saarländischen Armutskonferenz) wird klar, dass es auch in Deutschland große Missstände gibt, die durch steigende Lebenshaltungskosten verstärkt werden. Anhand von Einzelschicksalen verdeutlicht er, wie Menschen aus unserem System fallen.

Nach dem Vortrag blieb Zeit für Fragen und eine Diskussion über Handlungsoptionen in den verschiedenen Ländern.

Olivier Kouadio, Lehrer aus Elfenbeinküste

Herr Kouadio berichtet über die Auswirkungen der Pandemie in Elfenbeinküste.

Man hat versucht, die verschiedenen Maßnahmen einzuhalten und die Leute zu sensibilisieren, damit sie sich der Pandemie bewusst werden. Man hat alles unternehmen, damit alle die Informationen bekommen. Man konnte die Kurse in der Schule auch über das Fernsehen geben. Das ist sehr positiv verlaufen. Wir haben viel gelernt und wurden gelehrt, dass wir gemeinsam etwas machen müssen und die Pandemie niemanden verschont. Egal ob reich oder arm, man sollte die Schutzmaßnahmen einhalten. Wir haben gelernt, wie man mit Problemen umgehen und sich auf neue Situationen einstellen kann. Die Menschen sind alle gleich. Wir teilen die gleiche Erde, den gleichen Planet und wir sollten gemeinsam handeln.