Willkommen auf unserem Blog!

Hier sammelt das NES e.V. Stimmen aus dem Globalen Süden zu verschiedenen Themen, die uns alle betreffen und bewegen. Wie geht es Menschen am anderen Ende der Welt? Was erleben Sie, was denken sie, was sind ihre Ideen? Dieser Blog soll Einblicke geben in oft vergessene Weltregionen, zum Perspektivenwechsel und zur Empathie anregen und dazu führen, dass die Welt ein kleines Stückchen mehr zusammenwächst und die Menschen friedlicher und nachhaltiger zusammen leben.
Aktuell beschäftigt uns vor allem die Corona-Krise in allen Ländern der Welt… Weitere Themen werden hier nach und nach ebenfalls diskutiert.

Klicken Sie auf die bunt gefärbten Länder, um Berichte aus denselben zu lesen.

Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel

Nach monatelangem, pandemiebedingtem Stillstand der Öffentlichkeitsarbeit zu den aktuellen Entwicklungen in Burkina Faso, boten das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES) und die Initiative Endlich Afrika am 5. Februar endlich Gelegenheit, eine Online-Veranstaltung zu diesen Themen mit Beteiligten aus Deutschland, Burkina Faso, der Schweiz und Luxemburg, durchzuführen.

Die Lage der Bevölkerung von Burkina Faso hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert. Als Folge des Terrors kam es zu Flüchtlingsbewegungen innerhalb Westafrikas, wobei Burkina Faso aufgrund seiner geografischen Lage eine Hauptlast schultern muss. Eine Hungersnot für 5 Mio. Einwohner wird befürchtet und jetzt hat die Pandemie in ihrer zweiten Welle Burkina Faso stärker als befürchtet in Mitleidenschaft gezogen. Die Aufmerksamkeit deutscher Medien für Westafrika ist spärlich. Die Auswirkungen der weltweiten Klimakatastrophe sind in der Sahelzone Burkina Fasos bereits seit Jahrzehnten immer deutlicher spürbar. Die Online Konferenz sollte somit Betroffenen und Aktivist*innen Gelegenheit zu Information, Sensibilisierung und Vernetzung bieten.

Die teilnehmenden Referenten, beantworteten Fragen zum Zusammenhang von Terror und Klimawandel, zur Kulturszene, zur politischen Situation des Landes, sowie zum Bildungssystem und zur Pandemie. Seit Jahren stehen sie durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Initiative „Endlich Afrika“ im Austausch.

Dr. Abdoul Salame Kaboré, dem wir diese Konferenz aus Anlass seines 70. Geburtstags gewidmet haben, blickt auf ein Leben ausgefüllt mit sozialem und politischem Engagement zurück. Als Gesundheitsminister unter dem panafrikanisch-sozialistischen Präsidenten Thomas Sankara (Regierungszeit von 1983-87), genießt er heute noch großes Ansehen in Burkina Faso. So war es nur folgerichtig, dass er nach dem friedlichen Umsturz 2014 für die sankaristische Partei zum Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Sourgou gewählt wurde.

Dr. Abdoul Kaboré (ehem. Gesundheitsminister)

Dr. Kaboré berichtete im Eröffnungsvortrag der Onlinekonferenz über die Ausbreitung von Covid 19 und die damit einhergehenden Maßnahmen und Folgen. So wurden einerseits zu Beginn der Pandemie keine hohen Inzidenzen gemeldet und an COVID 19 erkrankte Menschen verkraften die Erkrankung meist ganz gut – was nicht zuletzt auch damit zusammen hängen kann, dass das Durchschnittsalter in Burkina keine 50 Jahre beträgt. Ferner scheint die extrem trockene Hitze, wie auch die doch sehr verbreitete Einnahme von Chloroquin als Malariaprophylaxe auch einen Beitrag gegen einen erschwerten Verlauf der COVID-19-Infektionen zu leisten. Ein harter Lockdown hat jedoch sehr gravierende Folgen auf die ärmeren Teile der Bevölkerung, die dadurch harte Einkommenseinbußen zu verzeichnen hat und deren Kinder durch Schulschließungen die mit dem Schulbesuch einhergehende Verpflegung schlichtweg fehlt. Es wird teilweise Onlineunterricht oder Fernunterricht über das Fernsehen angeboten, kann jedoch von einer großen Zahl an Schüler*innen aufgrund mangelnder Infrastruktur nicht wahrgenommen werden. In der Behandlung von COVID-19-Erkrankten wird auch mit verschiedenen pflanzlichen Präparaten aus der alternativen traditionellen Medizin geforscht und es gibt kleinere Erfolge und positive Krankheitsverläufe, die durch traditionelle Behandlungen begleitet wurden.

Generell zeigt sich, dass das Land einerseits durch innovative Kräfte viele Möglichkeiten hat, der Pandemie zu begegnen – so wurden beispielsweise zahlreiche selbstgebaute Handwaschstationen geschaffen und viele Videos zur Sensibilisierung aufgenommen und verbreitet. Andererseits ist es noch immer nicht einfach in kurzer Zeit einen Coronatest zu machen und es kann noch nicht gesagt werden, wann Impfstoffe ins Land kommen werden. Seit Anfang dieses Jahres sind die Schulen wieder geöffnet und unter den allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zugänglich.

Der nachfolgende Vortrag von Gerhardt Haag, dem Leiter des africologneFESTIVALs in Köln, gab einen umfangreichen Überblick über die stark ausgeprägte und sehr innovative Kulturszene in Burkina Faso. Zahlreiche Künstler*innen im Bereich Theater, Tanz, Bildender Kunst und Musik widmen sich aktuellen global-politischen Themen (wie das aktuelle Theaterstück von Sinzo Aanza: „Plädoyer, den Kongo zu verkaufen“) oder das Tanztheater „Wakatt“ von Serge Aimée Coulibaly (Deutsche Uraufführung war am 17.09.2020 in Düsseldorf). Bildende Kunstschaffende beziehen bewusst die breite Bevölkerung in das künstlerische Schaffen mit ein (wie das 2020 im November stattgefundene Festival Récréatrales zum Thema: „So kleiden wir uns“) ganz in dem Sinne Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“.

Gerhardt Haag, Leiter des africologneFESTIVALs in Köln

Der Vortrag von Hamado Dipama, Mitglied des AK Panafrikanismus München, über die politische Situation in Burkina Faso insbesondere über den zunehmenden Terror, bezog sich noch einmal auf die Tatsache, dass es innerhalb des Landes Millionen von Binnengeflüchtete gibt, die aus den Regionen im Norden wie auch im Nordosten fliehen, um den dort sehr häufig auftretenden Terroranschlägen zu entgehen, zumal die zunehmende Unsicherheit dieser Regionen zum teilweisen Erliegen der Infrastruktur führt (wie z.B. Schulschließungen, geschlossene Wahllokale etc.). Sehr eindrucksvoll war das mit Mitteln der europäischen Union aufgestellte Straßenschild im Norden des Landes, welches darauf hin weist, dass die illegale Beförderung von Geflüchteten verboten ist und einer sehr hohen Geldstrafe obliegt. Die Europäischen Grenzen scheinen sich beträchtlich nach Süden über die Sahara hinweg verschoben zu haben.

Der vierte Vortrag von Dr. Fidèle Yaméogo, Universitätsprofessor für Germanistik in Ouagadougou, über das Bildungssystem, stellte sehr eindrücklich dar, welchen Herausforderungen schulische Bildung in Burkina Faso, auch ohne Corona-Pandemie, gegenüber steht. Die Anzahl der Schüler*innen pro Klasse und Lehrkraft ist – insbesondere in den ländlichen Regionen – sehr hoch (80 – 140 Schüler*innen) und die Ausstattung der Schulen auch nicht immer angemessen. Dadurch ist es noch immer nicht möglich alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen zu beschulen. Die Zahl der Abiturient*innen wie auch der Studierenden steigt in den letzten Jahren sehr, so dass es an den Universitäten nun einen größeren Bedarf an Dozent*innen gibt. Es wird versucht über Fernkurse und digitales Lernen sinnvolle Ergänzungen zu Präsenzvorlesungen anzubieten.

Im nächsten Schritt sollen in einer zweiten Online Konferenz, die am 10. März 2021 von 10-12 Uhr stattfinden wird, unter den Teilnehmenden Aktive gefunden und vernetzt werden, die sich gemeinsam für unterstützende Maßnahmen für das Land engagieren möchten. Bundesweit gibt es zahlreiche Initiativen, die dazu bereit sind und denen die Vernetzung durch die Corona-Pandemie erschwert wurde. Anmeldung und mehr Infos unter bildung@nes-web.de.

Eine der Organisatorinnen: Melanie Malter-Gnanou (NES e.V.)

Kommentar Melanie Malter-Gnanou: „Wir hoffen, dass wir es auf diesem Wege schaffen werden Menschen zusammenzubringen und das Interesse für Burkina Faso aufrecht zu erhalten bzw. zu wecken. Die Länder des Globalen Nordens tragen mit Verantwortung an den Ursachen von Flucht – sei es durch Extremwetterlagen wie Dürren, die zu massiven Ernteausfällen führen oder durch zunehmend instabiler werdende politische Situationen, die als Nebenwirkung einer globalisierten Wirtschaft vermehrt auftreten – sie sollten somit auch mit dazu beitragen die negativen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung abzumildern, Ihnen Chancen auf Teilhabe und eine Stärkung der in Burkina Faso schon sehr gut ausgeprägten Resilienz zu gewährleisten. Hierzu gehört es auch die eigenen traditionellen Systeme von Berufsausbildung, medizinischem Wissen und kooperativem Handeln zu stärken und in eine sinnvolle und passende Kombination mit den Errungenschaften des Globalen Nordens zu setzen – eine ganz besondere Herausforderung die bereits Thomas Sankara in den 80 er Jahren des letzten Jahrhunderts thematisierte. Doch glücklicherweise gilt dessen Devise noch immer „Les idées ne meurent jamais – Die Ideen sterben nie!“ „

„Ein Modell des Todes“: Palmölplantagen in Guatemala

Das Video „Ein Modell des Todes – Palmölplantagen in Guatemala“ der Christlichen Initiative Romero (CIR) zeigt, warum wir ein starkes Lieferkettengesetz brauchen, das robuste Sorgfaltspflichten für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in der gesamten Lieferkette vorschreibt. Aktivist*innen und Betroffene aus Guatemala prangern die rücksichtslose Ausbeutung von Menschen und Natur durch Palmölplantagen-Betreiber an. Sie berichten davon, dass ihnen diese Unternehmen buchstäblich das Wasser abgraben, um Palmöl u. a. für den deutschen Markt zu produzieren.

Die Bundesregierung hat sich Mitte Februar 2021 auf einen Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Doch sowohl die Pflichten hinsichtlich des Umweltschutzes als auch für die tiefere Lieferkette – also z. B. bei der Rohstoffproduktion – sind darin zu schwach ausgestaltet. Das Video verdeutlicht, warum hier dringender Nachbesserungsbedarf besteht. Denn noch werden die Lebensgrundlagen vieler Menschen weltweit weiterhin durch rücksichtslose Wirtschaftstätigkeiten zerstört.

Weitere Infos zum neuen Lieferkettengesetz

Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel

Online-Veranstaltung mit Dr. Abdoul Salame Kaboré, Bürgermeister in Burkina Faso und weiteren Diskussionspartnern bot Eindrücke direkt aus Burkina Faso

Gemeinsam mit der Initiative Endlich Afrika in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, gefördert durch das Netzwerk Selbsthilfe Saar e.V., organisierte das NES e.V. die Online-Veranstaltung „Burkina Faso: zwischen Klimawandel und kulturellem Wandel“ am Freitag, den 5. Februar, von 10 bis 12 Uhr.
Augenzeugen informierten über die derzeitige Situation in Burkina Faso, die gekennzeichnet ist durch akute Hungersnot, Terrorangriffe und COVID 19. Gleichzeitig hat Burkina Faso nach wie vor eine lebendige und vorwärtsweisende kulturelle Szene. Von dieser konnten sich schon mehrere SaarländerInnen, dank jahrzehntelanger Kooperation mit Menschen aus Burkina Faso, selbst überzeugen. Die Konferenz sollte dazu beitragen, Antworten zu suchen, wie die Lebensbedingungen der Menschen verbessert werden können.
Es waren unterschiedliche Referenten eingeladen, um Fragen zu Zusammenhängen von Terror und Klimwandel, zur Kulturszene und mehr zu beantworten:

  • Dr. Abdoul Salame Kaboré in seiner Funktion als Apotheker in Ouagadougou über die Ausbreitung von Covid 19;
  • Gerhardt Haag, Leiter des africologneFESTIVALs in Köln über die Kulturszene des Landes und seine aktuellen Eindrücke vom Festival Récréâtrales, von dem Initiativen zu politischen Veränderungen ausgehen;
  • Hamado Dipama, AK Panafrikanismus München: über die politische Situation nach den Wahlen angesichts von zunehmendem Terror und Binnenflüchtlingen
  • und Dr. Fidèle Yaméogo, Professor der Universtität in Ouagadougou, über das Bildungssystem und die Situation der burkinischen Studierenden angesichts der angespannten Lage.

    Musikalische Beiträge kamen von Seiten der Musiker von Le Balai Citoyen, die die friedliche Revolution von 2014 mit ihrer Bewegung auf den Weg gebracht haben.
    Es wurde eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche und umgekehrt angeboten.


Infos zu Burkina Faso:

Die Veranstaltung war Herrn Kaboré zum 70. Geburtstag gewidmet.
(c) Doris Müller

Der Präsident und Visionär Thomas Sankara regierte Burkina Faso vor über 30 Jahren und wollte das Land auf einen nachhaltigen und friedlichen Weg führen. Aus den damals entstandenen panafrikanisch-sozialistisch orientierten Parteikomitees traten in den 2000er Jahren die „Sankaristen“ als progressive politische Partei hervor. Der ehemalige Gesundheitsminister Dr. Abdoul Salame Kaboré gehört dieser Partei an und versucht die Werte von Thomas Sankara wieder aufleben zu lassen. Am 6. Februar wird Herr Kaboré 70 Jahre alt – ihm war die Veranstaltung gewidmet.

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Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit der Peter-Imandt-Gesellschaft – Rosa-Luxemburg-Stiftung und wird gefördert vom Netzwerk Selbsthilfe Saar e.V., vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und von Engagement Global mit Mitteln des BMZ.

Vom Klimawandel im Himalaya – Reihe 5 Jahre Klimakonferenz Paris

Der Lama Samten lebt in Ladakh. Ladakh erstreckt sich zwischen den Gebirgsketten des Himalaya und des Karakorum.

Die buddhistische Philosophie hat sehr viel mit einem ganzheitlichen Denken zu tun. Was ein Mensch tut wirkt sich auf Menschen im Globalen Süden, auf andere Lebewesen und die Umwelt aus, was schlussendlich wie in einem Kreislauf wieder zu mir führt. Auch im Himalaya, wo viele buddhistische Mönche Leben, zeigt der Klimawandel bereits dramatische Folgen, davon und von innovativen Lösungsansätzen berichtete Lama Samten im Rahmen unserer „Klima-Reihe“.

In Ladakh, dem Heimatort des Lama gibt es extreme Temperaturunterschiede, je nach Jahreszeit im Sommer zwischen 30-40 Grad Celsius und im Winter ist hier der zweitkälteste bewohnte Ort auf der gesamten Erdkugel. Auf den Berggipfeln liegt normalerweise immer Schnee, von dessen Schmelze im Sommer die Pflanzen gewässert werden können. Auf dem Foto sieht man bereits Gipfel ohne Schnee als Folge des Klimawandels.

„Als Kind habe ich diese Berge immer mit Schnee gesehen, das ganze Jahr über, jetzt sind sie ab Juni nicht mehr bedeckt.“ – Lama Samten


Das führt zu Problemen, es gibt weniger Gletscher, weil es im Winter nicht mehr schneit. Die Häuser müssen anders gebaut werden, die Landwirtschaft anders betrieben. Die Bewohner*innen stehen vor großen Herausforderungen und Problemen. Dabei leben die Menschen aus Ladakh bereits sehr nachhaltig. Beispielsweise gibt es Dörfer, die komplett auf Chemie in der Landwirtschaft verzichten und kein Plastik nutzen. Die Lamas fördern solche Entwicklung und versuchen ihr ganzheitliches Denken an die Bevölkerung weiter zu geben.


Auf diesem Foto sieht man ein Projekt in Ladakh, welches mittlerweile in mehreren Dörfern umgesetzt wurde, um dem Wassermangel vorzubeugen: Ein riesiger Eisberg, der Anfang Mai beginnt zu schmelzen. Im Winter wird das Wasser gesammelt und auf einem bis zu 40 Meter hohen Eisberg gefroren. Im Sommer wird das Wasser zu den Felder geleitet. Nur so kann im Sommer noch Landwirtschaft betrieben werden.
Die Ladakher*innen stellten sogar einen Guiness World Record auf, indem sie in weniger als einer Stunde 99.103 Bäume pflanzten. Baumpflanzen. Auch dies wurde initiiert durch einen buddhistischen: Gyalwang Drukpa.

Bereits im März war der Lama Samten in Saarbrücken zu Besuch und hat über sein Leben, die buddhistische Philosophie und den Klimawandel in seiner Heimat berichtet. Während der Klima-Reihe hatte eine Klasse des Albert-Magnus-Gymnasium in St. Ingbert das Glück, ihm online Fragen zu seinem Vortrag stellen zu können. Die Schüler*innen waren neugiereig und interessiert und möchten gerne mit dem Lama in Kontakt bleiben.


Klagen für Klimagerechtigkeit! Unternehmen, Staaten und die EU müssen Verantwortung übernehmen

Vor 5 Jahren fand die Klimakonferenz in Paris statt, deren Abkommen bis heute als bahnbrechend und zukunftsweisend gilt. Da Maßnahmen, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen, jedoch in fast keinem der Länder, ausreichend umgesetzt wurden, gibt es bereits dramatische Folgen. Existenzen werden vernichtet, um unser Wirtschaftssystem zu erhalten wie es ist. Ist das gerecht? Darum und um die Einforderung von Gerechtigkeit ging es in der Veranstaltung „Klimaklagen und die Geschichten dahinter“ im Rahmen der Reihe 5 Impulse zu 5 Jahre Pariser Klimakonferenz. Für Alle, die nicht dabei sein konnten: Hier eine kurze Zusammenfassung unseres Moderators Max Dörr (NES e.V.) und ein 7-minütiges, informatives Video von der Organisation „People’s Climate Case“:

„In einer kurzen Einleitung zum Thema Klimagerechtigkeit konnten die Teilnehmer*innen durch das Weltverteilungsspiel verbildlichen wie ungleich Wohlstand und CO2-Emissionen weltweit verteilt sind. Doch was wird im globalen Norden dafür getan, um Klimagerechtigkeit weltweit einzufordern? Markus Raschke, Campaigner bei der NGO Protect the Planet, hat uns persönliche Portraits von Menschen in Europa vorgestellt dessen Lebensgrundlagen schon jetzt enorm von der Klimakrise beeinträchtigt werden. Die aus der Klimakrise entstehenden Existenzängste regen immer mehr Menschen weltweit dazu an, als sogenannte Klimakläger*innen, die Einhaltung des Pariser Abkommens von Unternehmen, Staaten oder der EU, einzufordern. Vom Imker aus Portugal zu Lavendelbauern in Südfrankreich, schon jetzt sind viele Familien – in und außerhalb von Europa – akut von der Klimakrise betroffen. Doch können diese Klagen erfolgreich sein? Lucy Maxwell, Menschenrechtsanwältin und leitende Juristische Mitarbeiterin beim Climate Litigation Network, hob in ihrem Vortrag hervor, dass Klimaklagen sich schon in mehreren Staaten vor Gerichten behaupten konnten und erklärte den Ablauf solcher gerichtlichen Verfahren. Nach der erfolgreichen holländischen Urgenda-Klage, verpflichte sich die Regierung, mehr in Klimaschutz zu investieren, setzte sich ambitioniertere Klimaziele und führte konkrete Gesetze ein, um solche in verschiedenen Sektoren einzuhalten wie z.B. ein 100km/h Tempolimit.

Dieser Erfolg inspirierte viele andere Klagen gegen nationale Regierungen, so dass nun auch in Frankreich und Irland Klagen auf einem guten Weg sind durchzukommen. Außerdem erreichten Klimagkläger*innen in den Ländern Kolumbien, Nepal und Pakistan, dass Klimawandel nun vor Gericht als Menschenrechtsthematik gewertet wird.“


„Protestbewegungen in Lateinamerika – ¡Latinoamerica Resiste!“

Rückblick auf das Lateinamerika-Forum 2020

Das Lateinamerika-Forum 2020 am 21. August in Saarbrücken war eine Premiere für das Team vom NES e.V. : Zum ersten Mal wurde eine Veranstaltung im „Hybrid-Format“ organisiert. Einen Tag lang beschäftigten sich sowohl die Teilnehmenden vor Ort im evangelischen Gemeindezentrum in Saarbrücken wie auch über 25 Online-Zuschauer*innen mit den jüngsten politische Entwicklungen und zivilgesellschaftlichen Widerstandsbewegungen in ausgewählten Ländern Lateinamerikas.

Ulrike Dausend, Geschäftsführerin des NES e.V. und Eva Wessela, Studienleiterin an der EAO eröffneten das Forum und zählten die Fragen auf, mit denen sich die Teilnehmenden dann über den ganzen Tag hinweg beschäftigten: Was passiert gerade in Lateinamerika? Wie ist die Lage in den unterschiedlichen Ländern? Welche Probleme gibt es und was sind die Ursachen hierfür? Was können wir tun? Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Protestbewegungen?

Zur Beantwortung dieser Fragen verschaffte Professor Dr. Werz von der Universität Rostock den Zuhörer*innen im einführenden Vortrag zunächst einen Überblick über die Protestbewegungen Lateinamerikas. Anschließend zeigte das Forum einzelne Problematiken unterschiedlicher Regionen auf: mit Live-Berichten aus Chile, El Salvador, Ecuador und Brasilien war ein guter kleiner Querschnitt durch Lateinamerika mit seinen insgesamt über 800 verschiedenen indigenen Völkern und noch mehr indigenen Sprachen gelungen.

Zur Corona-Krise sagte Prof. Wenz, dass sie die Probleme „wie in einem Brennglas“ verdeutliche. So z.B. die Defizite im Gesundheitssystem. Dies bestätigten auch die zugeschaltetenReferent*innen – allesamt Angehörige von Protestbewegungen in Lateinamerika – in ihren Berichten. „Die Regierung möchte zu den alten Zeiten zurückkehren und die Demokratie gefährden“, erzählte zum Beispiel Zulma Larin, die in El Salvador bei der Bewegung „Red de Ambientalistas Comunitarios de El Salvador“ mitwirkt. Die Pandemie sei von der Regierung genutzt worden, um beispielsweise soziale Güter zu privatisieren.

Insgesamt war festzustellen, dass die Folgen der Pandemie noch nicht abzusehen sind. Das Lateinamerika-Forum verdeutlichte jedenfalls, dass die globale Perspektive weiterhin gefördert werden muss, Menschen und Organisationen über die Grenzen hinweg aktiv werden müssen, und auch wir als NES weiter informieren und  Handlungsperspektiven aufzeigen müssen.

Mehr zum Inhalt und Programm des Lateinamerika-Forums auf unserer Webseite.

Tipps, wie man helfen kann hier.

Das Forum mit seinen Organisatorinnen, Referent*innen und Teilnehmenden.